Open Letter

Open Letter

Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister

in der deutschen Übersetzung. Hier finden Sie den englischen Brief.

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

Mit großer Sorge vernehmen wir die Nachricht aus Deutschland, dass die Fortführung des Forschungsprogrammes „Europa im Nahen Osten – der Nahe Osten in Europa“ (EUME) gefährdet ist, da das Land Berlin seine finanzielle Unterstützung für das Berliner Forum Transregionale Studien zur Disposition stellt. EUME ist ein einzigartiges Programm, das sich dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Europa und der arabischen und muslimischen Welt widmet. In Programmatik und Praxis setzt EUME ein Zeichen für intellektuelle Freiheit und pflegt damit einen Forschungsstil, den es zu stärken anstatt zu beschneiden gilt.

Gerade mit Blick auf die dynamischen und ungewissen politischen Entwicklungen in unserem Teil der Welt – seien es die revolutionären Umwälzungen in der arabischen Welt, die ungelöste  Palästina-Frage oder die Situation im Iran und in der Türkei – brauchen wir dringend  Möglichkeiten und Freiräume für den wissenschaftlichen und intellektuellen Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Intellektuellen verschiedener Länder und Generationen, die in Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in der muslimischen und arabischen Welt arbeiten und die das Streben nach Veränderung, nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit aus wissenschaftlicher Perspektive und in einer Atmosphäre der Freiheit, der Reflexion und Selbstreflexion miteinander diskutieren wollen: Um heute politisch zu sein, müssen wir wissenschaftlicher werden.

EUME bietet solch ein Forum. Es ist ein wichtiges Projekt mit großer internationaler Sichtbarkeit, das grundsätzliche Konzepte und Fragen neu zu verhandeln sucht, welche Europa und den Nahen Osten miteinander verbinden und voneinander trennen. Dies geschieht aus der Perspektive einer geteilten Geschichte und gemeinsamen Moderne und Gegenwart, jenseits konventioneller Formen von ‚Dialog’ und bilateralen Denkschablonen. EUME ist für uns eine intellektuelle Brücke nach Deutschland. Es ist kein Zufall, dass sich Deutschland und insbesondere Berlin für die Schaffung eines Ortes engagiert hat, an dem geschichtlich aufgeladene Fragen aus einem äußerst schwierigen regionalen Umfeld debattiert werden können. Diese bewundernswerte Initiative, die so sorgsam und erfolgreich über die letzten Jahrzehnte aufgebaut wurde, kann nicht einfach anderenorts reproduziert werden, weder in Europa noch im Nahen Osten. Dieses dauerhafte Engagement darf nicht einer kurzsichtigen Entscheidung geopfert werden. Damit würde einer der wenigen Orte für ernsthafte und nachhaltige Forschung und Debatten über die Probleme des kulturellen Verstehens und der politischen Praxis in unserer Region – und zwischen Europa und dem Nahen Osten – ­gefährdet.

EUME trägt dazu bei, Netzwerke des Vertrauens und – wie es Wolf Lepenies nannte – „Lerngemeinschaften“ zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beider Seiten des Mittelmeeres aufzubauen und zu festigen. Durch seine offene und selbstreflexive Art, Fragen von gesamtgesellschaftlichem Interesse zu thematisieren, bietet es ein Gesprächsforum, das die traditionellen Grenzen von Region, Nation, Religion, Generation und Kultur überwindet. Solch ein Forum brauchen wir heute dringender als je zuvor.

Im Nahen Osten und in Europa gibt es derzeit keine mit EUME vergleichbare Initiative. Wir bitten die verantwortlichen Stellen in Deutschland daher eindringlich, ihr Engagement aufrechtzuerhalten.

Mehrdad Abbasi, Assistant Professor, Islamic Azad University, Teheran

Randa Abou-Bakr
, Associate Professorin für Englische Literatur, Cairo University

Refqa Abu-Remaileh, Postdoc Researcher, Philipps Universität Marburg

Khaled Adham, Assistant Professor, Institute of Architecture, Suez Canal University

Yigit Akin, Assistant Professor für Geschichte, Tulane University, New Orleans

Sadik J. Al-Azm, Emeritierter Professor für Geschichte der Modernen Europäischen Philosophie, Damascus University

Haggag Ali, Junior Research Group Leader, Cairo University

Kamran Ali, Professor für Anthropologie, University of Texas

Aziz Al-Azmeh, Professor am Humanities Center, Central European University Budapest

Muetaz Alkhatib, Gastdozent, Islamic University of Beirut

Ghada Al-Madbouh, Assistant Professor für Politikwissenschaften, Birzeit University, Ramallah

Abdul-Rahim Al-Shaikh, Dichter und Kulturkritiker, Jerusalem

Yazid Anani, Assistant Professor für Architektur und Stadtplanung, Birzeit University, Ramallah 

Bashir Bashir, Research Fellow, Van Leer Jerusalem Institute

Hülya Canbakal, Assistant Professorin für Geschichte, Sabanci University, Istanbul

Abdelkebir Cherkoui, Professor für Arabistik, Ibn Tufail University, Keneitra, Marokko

Beshara Doumani, Professor für die moderne Geschichte des Nahen Ostens, Direktor des Middle East Studies Program, Watson Institute, Brown University

Issam Eido, Dozent für Islamic Studies, Damascus University

Tarek El-Ariss, Assistant Professor, University of Texas, Austin

Saeid Edalatnejad, Associate Professor für Islamstudien bei der Encyclopaedia Islamica Stiftung, Teheran

Edhem Eldem, Professor, Department of History, Bogazici University, Istanbul

Ziad Elmarsafy, Graduate Chair, Department of English & Related Literature, University of York

Behrooz Ghamari-Tabrizi, Associate Professor für Geschichte, University of Illinois

Magdi Guirguis, Assistant Professor für Archivstudien, Kafr-El-Sheikh-University

Zeina G. Halabi, Assistant Professor, University of North Carolina at Chapel Hill

Elias Khoury, Schriftsteller, Beirut

Biray Kolluoglu, Associate Professorin für Soziologie, Bogazici University, Istanbul

Kader Konuk,  Associate Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik, University of Michigan

Erol Köroglu, Assistant Professor, Turkish Language and Literature Department, Bogazici University, Istanbul

Ussama Makdisi, Professor für Geschichte, Rice University, Houston

Aslı Niyazioglu, Assistant Professorin für Geschichte, Koc University Istanbul

Samer Rashwani, Assistant Professor für Koranstudien, University of Aleppo, Syrien

Amnon Raz-Krakotzkin, Professor für Jüdische Geschichte, Ben Gurion University of the Negev, Beer-Sheva

Raja Rhouni, Professor für Gender, Islam und Gesellschaft, Chouaib-Doukkali-University, El Jadida, Marokko

Sherene Seikaly, Assistant Professorin, Department of History, Direktorin des Middle East Studies Center, American University in Cairo

Samah Selim, African, Middle Eastern and South Asian Languages and Literatures, Rutgers University

Hania Sobhy, Arab Council for the Social Sciences, Beirut

Mohammed Tabishat, Assistant Professor für Kulturanthropologie, American University in Cairo

Shaden M. Tageldin, Associate Professor für Vergleichende Literaturwissenschaften, University of Minnesota

Hanan Toukan, Postdoc Researcher, Beirut

Fawwaz Traboulsi, Associate Professor für Politikwissenschaft und Geschichte, Lebanese American University, Beirut

Zafer Yenal, Associate Professor und Leiter des Department of Sociology, Bogazici University, Istanbul

Sherif Younis, Assistant Professor für Moderne Geschichte, Helwan University, Cairo