Mi 18 Jun 2014

Fr 20 Jun 2014
Georg-August-Universität Göttingen
Explorativer Workshop

Informal and Everyday Markets

GHI Washington DC, Georg-August-Universität Göttingen, Forum Transregionale Studien

18–20 June 2014, Georg-August-Universität Göttingen

Organized by:

Forum Transregionale Studien und Max Weber Stiftung, German Historical Institute Washington DC, Georg-August-Universität Göttingen
Convened by:
Ingo Koehler (Universität Göttingen), Christina Lubinski (Copenhagen Business School), Sebastian Schwecke (Universität Göttingen), Douglas Haynes (Dartmouth College)

Program | Report (Blog) (PDF).

Unternehmensgeschichte gilt in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan als etabliertes wissenschaftliches Feld. In diesem explorativen Workshop wurde das Wissensfeld durch die Einbeziehung einer transregionalen Perspektive erweitert. Hierfür wurden die Geschichte indischer Märkte und Unternehmen sowie indischen Unternehmertums im lokalen und globalen Kontext diskutiert. Der Fokus lag dabei auf informellen und alltäglichen Märkten – einschließlich Arbeits- und Kreditmärkten – im 19. und 20. Jahrhundert. Diese stehen selten im Mittelpunkt der Analyse, obwohl sie grundlegend für die indische Unternehmensgeschichte sind. Die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren eingeladen, anstelle abstrakter Elemente insbesondere informelle wirtschaftliche Transaktionen sowie inter-personelle Eigenheiten von Märkten in den Blick zu nehmen. Dadurch sollten im Workshop Märkte genauer beleuchtet werden, die ansonsten häufig als konzeptuelle Blackboxes gefasst und als gegeben angenommen werden. Märkte werden oft ausschließlich anhand ihres institutionellen Aufbaus und formaler Regularien beschrieben, wobei ihre gesellschaftliche Verankerung, zugrunde liegende kulturelle Werte, informelle Austauschbeziehungen, traditionelle Alltagsinteraktionen (und in manchen Fällen auch illegale Aktivitäten) unbeachtet bleiben.

Der Workshop thematisierte die Beziehung zwischen einheimischen und ausländischen wirtschaftlichen Akteuren, zwischen Markt-Transaktionen und Personen vor Ort sowie die kulturelle Verankerung von Gütern und Personen im indischen Kontext. Ausgehend von dem von Hall und Soskice entwickelten theoretischen Rahmen oder den von Acemoglu und Robinson formulierten Vorstellungen von inklusiven und extraktiven Institutionen können Informalität und Vertrauensbildung in diesem Zusammenhang als Teil einer speziellen Ausprägung des Kapitalismus verstanden werden. Der Workshop widmete sich auch Märkten, Unternehmertum und Unternehmen im post-kolonialen Indien sowie deren Verbindungen in die Kolonialzeit. In der Analyse der Sozialgeschichte von Märkten wurden indische und ausländische wirtschaftliche Akteure untersucht, die einen signifikanten Einfluss darauf haben, wie der Kapitalismus in Indien funktioniert.

Der Workshop war Teil der strategischen Kooperation zwischen dem Forum Transregionale Studien und der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland und wird durch das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Kontakt:
initiatives(at)trafo-berlin.de