
Saeko Shibayama
Saeko Shibayama machte den B.A. an der International Christian University, Tokio, den M.A. in Vergleichender Literaturwissenschaft an der University of Toronto und wurde in Ostasiatischen Sprach- und Kulturwissenschaften an der Columbia University promoviert.
Ihre Dissertation „The Convergence of the ‘Ways’: The Twilight of Early Chinese Literary Studies and the Rise of Waka Poetics in the Long Twelfth Century in Japan“ untersucht parallele Strukturen zweier geistiger Strömungen im frühen Japan: Vom 9. bis 11. Jahrhundert förderte die Staatliche Hochschule über ihre Lehrpläne für Geschichte und Literatur das rigorose Studium der chinesischen Klassiker. Die Weitergabe von Interpretationen einzelner Texte, darunter auch Methoden zur Übersetzung vom klassischen Chinesisch ins Japanische erfolgte lediglich innerhalb einiger weniger Gelehrtenfamilien. Parallel dazu finden sich bereits in Dokumenten aus dem 8. Jahrhundert Beschreibungen zur Abfassung von waka („japanischer Gedichte“), einunddreißig Silben umfassender Gedichte in mundartlichem Japanisch. Eine systematische Auseinandersetzung mit den waka ist hingegen erst im 12. Jahrhundert zu beobachten. Shibayamas Dissertation dokumentiert, wie Japans einheimische lyrische Tradition die verschiedenen Formvorschriften früher chinesischer literarischer Verfahren übernahm und zu Beginn des japanischen Mittelalters gleichzeitig akademisch und chauvinistisch wurde. Eine Schlüsselfigur des Übergangs zwischen den zwei Verfahren war der Gelehrte/Beamte Ōe Masafusa (1041–1111).
Als Fellow von Zukunftsphilologie wird Shibayama ihre Forschungsarbeit zum Werk Masafusas weiterführen. Sie wird circa 120 buddhistische Gebete untersuchen, die Masafusa im Auftrag seiner japanischen kaiserlichen Gönner in hochstilisiertem Chinesisch verfasste, wobei er häufige Anleihen aus chinesischen Schriften wie der kanonischen Anthologie Wenxuan (6. Jahrhundert) machte. Unter Bezug auf ihre früheren Studien der jiddischen Sprache und Literatur möchte Shibayama in ihrer Arbeit die Beziehung zwischen einer mundartlichen Variante und ihrem stärker religiös sanktionierten Gegenstück erforschen (z.B. Hebräisch, Latein und Chinesisch). Angeregt durch die Werke von Ernst Robert Curtius und Charles Haskins, wird Shibayama mit „der Renaissance des 12. Jahrhunderts“ in Japan beginnen und sich dann mit anderen Kulturen befassen.


