Zukunftsphilologie

Elisabetta Benigni

Elisabetta Benigni schloss 2004 ihr Studium an der Universität Rom La Sapienza an der Fakultät für Orientalistik ab und wurde dort 2009 in Islamwissenschaften und Arabistik promoviert. Grundlage ihrer 2010 veröffentlichten Dissertation ist eine diachrone Analyse der literarischen Gattung adab al-suğūn (Gefängnisliteratur) in der arabischen Literatur mit besonderem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Literatur. Ihre Interessensgebiete umfassen darüber hinaus Textübertragungen, Übersetzungen und gegenseitige Einflüsse im Kontext des Mittelmeerraums der Frühmoderne und Moderne, Geschichte der romanischen Sprachen sowie Vergleichende Literaturwissenschaft, religiöse Bekehrung und kulturelle Vermittlung im Mittelmeerraum, Theorien literarischer Genres und die Kanonisierung von Literatur.

In Berlin wird Benigni sich mit Leben, Werk und Erbe eines randständigen Denkers des Mittelmeerraums beschäftigen, der in den romanischen Sprachen als Fra Anselm Turmeda und auf Arabisch als Abu Muhammad Abdullah b. Abdullah al-Turjumān al-Mayūrqī bekannt ist. Ihr Projekt zielt auf eine Neubewertung dieses faszinierenden Denkers ab, indem es sich seinem Leben nicht mithilfe nationaler, religiöser oder linguistischer Kategorien nähert, sondern vermittels einer gründlichen Untersuchung der kulturellen Verflechtungen, die sein Leben im Kontext der historischen Möglichkeiten der Welt des Mittelmeerraums im 14. und 15. Jahrhundert geprägt haben. Benignis Studie versteht sich als Beitrag zur aktuellen Debatte über den Zusammenhalt oder Nichtzusammenhalt des Kulturraums, der als Mittelmeerraum bekannt ist. Ihr Projekt betont die Rolle von Übersetzung und Übersetzern bei der Entstehung einer Lingua franca des Mittelmeerraums, nicht nur im Sinne einer gemeinsamen Sprache, sondern auch einer gemeinsamen Semiotik. Außerdem wird sie die Rolle gemeinsamen Austauschs und religiöser Bekehrungen bei der Vermehrung und Vervielfachung von Identitäten in der Frühmoderne betonen.